Wirbelsäule (Anatomie)

 
Die Wirbelsäule (medizinisch: Columna vertebralis) bezeichnet das bewegliche Achsenskelett des Körpers. Die Wirbelsäule stützt den Körper und gilt damit als Konstruktionselement aller Wirbeltiere, welches deren Stamm, folglich Kopf, Rumpf und die oberen Gliedmaßen trägt. Darüber hinaus zeichnet sie sich durch ihre umfangreichen Bewegungsmöglichkeiten aus. Eine so genannte physiologische Krümmung in "S" - Form liegt vor.
Die Wirbelsäule besteht aus den Wirbeln, den Bandscheiben (= Zwischenwirbeln) und dazugehörigen Bändern, deren Aufgabe es ist, die Wirbelsäulenstrukturen zu verbinden und zu stabilisieren. Die menschliche Wirbelsäule setzt sich aus 33 - 34 Wirbelkörpern zusammen, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Aufgabenbereiche differenziert werden.
 
Unterschieden werden demnach:

  • sieben Halswirbel der so genannten Halswirbelsäule
  • zwölf Brustwirbel der so genannten Brustwirbelsäule,
  • fünf Lendenwirbel der Lendenwirbelsäule,
  • fünf Kreuz- und Steißwirbel.

 Die beiden letztgenannten Wirbel verschmelzen im Alter von 20 bis 25 Jahren zu Kreuz- und Steißbein. Die Wirbelsäule bildet den so genannten Wirbelkanal, indem sich das Rückenmark befindet. Umgangssprachlich wird die Wirbelsäule auch als Rückgrat bezeichnet.
 

 
 Wirbelsäule
 


Bandscheibenvorfall


Wenn sich im Faserring der Bandscheibe Risse bilden, kann es dazu kommen, dass der Gallertkern der Bandscheibe langsam ausläuft. Die dabei entstehende Vorwölbung reizt und schädigt naheliegende Nervenenden.
Rückenbeschwerden sind in der Bevölkerung weit verbreitet, in den Industriestaaten ist jeder Zweite davon betroffen. Eine Untersuchung der Medizinischen Universität Lübeck ergab sogar, dass 72 Prozent der Männer und 77 Prozent der Frauen in den vergangenen zwölf Monaten Rückenbeschwerden hatten.
Dabei soll auch die Psyche eine nicht unerhebliche Rolle spielen: Bei psychischer Belastung ist die Haltung verkrampft, die verhärteten Muskeln werden schlechter durchblutet, und das führt zu ständigen Schmerzen.
Die Wirbelsäule besteht aus Wirbelkörpern und den dazwischenliegenden Bandscheiben. Muskeln und Sehnenbänder halten sie zusammen.

Ursache

Die "Pufferfähigkeit" der Bandscheibe lässt mit dem Alter nach.

Diagnose

Die Krankengeschichte (Anamnese) und eine ausführliche klinisch-neurologische Untersuchung sind von großer Wichtigkeit.

Konservative Therapie

Bandscheibenvorfälle werden in der Regel konservativ - also ohne Operation - behandelt.

Operative Therapie

Bei einer Bandscheibenoperation wird das erkrankte Bandscheibenmaterial entfernt.
 
Warum Sport?
Zu einer Operation oder Schmerzbehandlung gehört immer auch ein Muskeltraining.
 

 
 
 

Osteoporose

Die Osteoporose (v. griech. "Knochen" und "hart") ist eine häufige Alters-Erkrankung des Knochens, die ihn für Brüche anfälliger macht. Die auch als Knochenschwund bezeichnete Krankheit ist gekennzeichnet durch eine geringe Knochenmasse und den übermäßig raschen Abbau der Knochensubstanz und -struktur. Die erhöhte Frakturanfälligkeit kann das ganze Skelett betreffen.
An der Erkrankung leidet fast die Hälfte der über 70-Jährigen (Frauen mind. 2x häufiger als Männer), doch kann sie (u.a. durch Kalziummangel) schon in früheren Jahren auftreten. Bei älteren Frauen wird sie oft mit Hormontherapie behandelt, was jedoch seit einiger Zeit wegen möglicher Nebenwirkungen umstritten ist.
 
Häufige Folgen der Osteoporose (der Name hat nur indirekt mit Porosität zu tun) sind:

  • Knochenbruch an der Hüfte, insbesondere am Schenkelhals
  • Wirbelkörper-Einbrüche
  • vermehrte Anfälligkeit für sonstige Frakturen

 
Mögliche Ursachen

  • familiäre Veranlagung (Verwandte mit Osteoporose)
  • Mangel an Sexualhormonen (durch eine Störung des Gleichgewichts zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau kommt es zum
  • Verlust an Knochenmasse); in diese Gruppe gehört auch die postmenopausale Osteoporose und ein Teil der Osteoporose beim Mann
  • bösartige Erkrankungen des Knochenmarks, Plasmozytom, Morbus Kahler, die sich primär in einer schnellen Abnahme der
  • Knochendichte niederschlagen
  • Schilddrüsenüberfunktion, übermäßige Cortison-Produktion der Nebennierenrinde (Morbus Cushing)
  • Störungen der Nebenschilddrüse
  • Ernährungsfehler, also Mangel an Calcium und Vitamin D (Calcium gibt dem Knochen seine Festigkeit und Vitamin D regelt die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung)
  • Perniziöse Anämie , Vitamin B12 -Mangel
  • Folsäuremangel
  • Untergewicht
  • Bewegungsmangel, da durch die bei Bewegung auftretenden Maximalkräfte (insbesondere beim Springen, oder bei geeignetem Training mit Zusatzgewichten) die Knochenmasse und vor allem die Knochenfestigkeit vergrößert wird (Mechanostat)
  • Tabakrauch
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • hochdosierter und regelmäßiger Gebrauch bestimmter Medikamente wie z. B. Cortison (zur Behandlung von Rheuma, Asthma oder Allergien) oder Heparin (zur Hemmung der Blutgerinnung)
  • hoher Konsum von Cola Getränken (ist nur für ältere Frauen belegt)

 
Krankheitsverlauf und Prognose

Die Osteoporose ist eine zunächst unmerklich verlaufende Erkrankung, die aber im Fall von Knochenbrüchen, insbesondere bei alten Menschen, eine hohe Krankheitsbelastung (Schmerzen, Bettlägerigkeit, manchmal dauerhafte Immobilisierung) bedeutet.
Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Osteoporose.
 
Zur wesentlich häufigeren primären Osteoporose zählen die postmenopausale (oder postklimakterische) Osteoporose und die Altersosteoporose (Involutionsosteoporose).
Die sekundäre Osteoporose tritt unter anderem als Folge von Stoffwechselerkrankungen oder hormonellen Störungen auf.
Man geht davon aus, dass in Deutschland etwa 30% aller Frauen nach dem Klimakterium an primärer Osteoporose erkranken. Für Männer ist ab dem 70. Lebensjahr die Altersosteoporose ein ebenso häufiges Krankheitsbild. Typische Merkmale der Osteoporose sind eine Abnahme der Knochenmasse und Verschlechterung der Knochenarchitektur sowie als deren Folge eine Abnahme der Knochenstabilität. Dies führt zu einer erhöhten Gefahr von Knochenbrüchen. Knochenbrüche bei Osteoporose finden sich insbesondere an den Wirbelkörpern der Wirbelsäule, am Oberschenkelhals und am Handgelenk. Die Heilung von Knochenbrüchen bei Osteoporose ist nicht gestört, der Zeitrahmen ist der gleiche wie bei nicht erkrankten Menschen. Die Folgen der Brüche können jedoch vor allem bei Älteren nachhaltig sein und durch Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung oder Lungenembolie zum Tode führen.

Behandlungsmöglichkeiten und Prävention

  • Lebensweise
  • Körperliche Aktivität schützt vor Knochenschwund. Besonders wirkungsvoll ist auch das Schwingen auf hochelastischen Minitrampolinen. Daneben fördert ausreichendes Sonnenlicht die Vitamin-D-Produktion der Haut.
 Dr. Maximilian Friedrich

Dr. Maximilian Friedrich

 
Ernährung

Zur Prävention trägt eine vermehrte Calcium-Aufnahme von etwa 1 g/Tag bei (Basistherapie DVO). Zusätzliche Calciumzufuhr hilft zur Osteoporose-Prävention aber nur, wenn günstige Bedingungen die Calciumabsorption im Darm fördern (beispielsweise Vitamin D, Magnesium, Milch usw.), und wenn die Calciumausscheidung via Urin nicht zu stark ist, bedingt etwa durch geringe Körperbelastung, unnötig proteinreiche Ernährung, psychischen Stress, stark säurebildende Nahrung usw. Stark säurebildende Nahrung besteht etwa in Baumnüssen, Beefsteak, hellem Bier usw.; säurehemmende oder basenbildende Nahrung besteht etwa aus Ananas, Apfelsaft, Bohnen usw.
Was die calciumhaltigen Getränke (so genannte Mineralwasser) betrifft, sind sie nur dann osteoporosepräventiv, wenn die oben genannten Faktoren richtig eingestellt sind. Unabhängig von übrigen Nahrungsmitteln (s. oben) sind verschiedene Marken/Quellen unterschiedlich osteoporosepräventiv oder osteoporosebegünstigend, je nachdem, welche Anionen das Calcium begleiten. Hoher Sulfatgehalt, ab etwa 300 mg pro Liter, fördert die Calciumausscheidung mit dem Urin und führt daher längerfristig zu einer negativen Calciumbilanz.
Als Bestandteil der Basistherapie empfiehlt der Dachverband Osteologie (DVO) ferner die Einnahme von Vitamin D (Ergo- und Cholecalciferol, nicht aber Metabolite wie 1-alpha oder 1,25 Dihydroxy Vitamin D). 

Pharmakotherapie

Nach den Leitlinien des DVO wird empfohlen:

  • Bisphosphonate (Alendronat, Ibandronat und Risedronat, Handelsnamen Fosamax®, Fosavance®, Bonviva®; und Actonel®)
  • Selektive ÖstrogenRezeptorModulatoren (SERM): Raloxifen (Handelsname Evista®, nur zur Verhinderung von Wirbelkörperfrakturen) oder
  • Parathormon (Parathormon, Handelsname Preotact® und Teriparatid = Parathormonanalogon, für Spezialindikationen, Handelsname Forsteo®)
  • Strontium (Zulassung von Protelos® seit 2004; die Knochendichtemessungen werden durch die Einlagerung von Strontium verfälscht, was aber durch einen Umrechnungsfaktor kompensiert wird) in Form von Strontiumranelat

Auch in Verwendung, jedoch nicht vom DVO empfohlen sind

  • Calcitonin, kaum noch verwendet, der Nutzen ist schlecht belegt. Außerdem kommt es meistens zu schweren Allergiesymptomen bei der Behandlung
  • STH (Wachstumshormon), kein Nutzen belegt; evtl. problematische Nebenwirkungen
  • Fluoride (veraltet; entwickelt harte, aber spröde Knochen, die Stabilität wird nicht besser)
  • Östrogene werden seit der Kritik an der Hormonersatztherapie nur eingeschränkt für diese Indikation verwendet
  • Vitamin D Metabolite wie 1-alpha oder 1,25 Dihydroxy Vitamin D (Nutzen bei postmenopausaler Osteoporosis nicht eindeutig belegt, teuer, problematische Nebenwirkungen; 1,25 Vitamin D (Calcitriol) ist wirksam und indiziert bei bestimmten Knochenerkrankungen im Rahmen fortgeschrittener Nierenerkrankungen)

Als neuer therapeutischer Ansatz besteht die Möglichkeit der Behandlung mit Zoledronsäure 5mg, bei der nur eine Infusion pro Jahr eingesetzt werden muss. Eine europäische Zulassung zur Behandlung der Osteoporose liegt seit Oktober 2007 vor. Bei der Erstellung der aktuellen Leitlinien zur Osteoporose lag diese Zulassung noch nicht vor. Die einmalige Infusion pro Jahr ist besonders Patientenfreundlich.


 
Wirbelblockaden

Die Blockade als funktionelle Erkrankung
Man weiß heute, dass die mechanistische Vorstellung von "ausgerenkten" Gelenken einem neuen "nozizeptiven" Gedankenmodell weichen muss. Indem man eine Blockade mit einem Hochgeschwindigkeitsimpuls behandelt, setzt der Therapeut einen gezielten nervalen Reiz an sogenannten Nozizeptoren, die dadurch ein "Reset" erfahren und den das Gelenk blockierenden verspannten Muskel wieder entspannen - der Weg für das Gelenk wird dadurch wieder freigegeben. Im Falle der Facettengelenke beispielsweise spielen die segmentalen Mm. rotatores breves eine dementsprechende Rolle. Um diesen feinen Effekt zu erreichen ist weder eine große Kraft, noch ein großer Weg erforderlich (sanfte Manipulation), es gilt daher die Regel der "Drei K":
 

  • kleine Kraft
  • kurzer Weg
  • kurze Zeit

 
Therapie: Chirotherapie