Hüftgelenk (Anatomie)

 

Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk mit eingeschränkter Beweglichkeit, ein so genanntes Nussgelenk. Von allen Gelenken im Körper ermöglicht es nach der Schulter den zweitgrößten Bewegungsspielraum. In ihm treffen Becken und Oberschenkelknochen aufeinander. Dabei sitzt der Kopf des Oberschenkelknochens (Hüftkopf) in der Hüftpfanne des Beckens. Da die Hüftpfanne den Hüftkopf nicht vollständig umschließt, entsteht ein sehr großer Bewegungsspielraum, und zwar in sechs verschiedenen Richtungen: nämlich beim Beugen und Strecken, An- und Abspreizen, Innen- und Außendrehen des Beines. Eine Bewegung ist meist eine Kombination dieser verschiedenen Abläufe, etwa bei Aufstehen von einem Stuhl. Normalerweise geschieht jede Bewegung im Gelenk sowohl vom Oberschenkel als auch vom Becken aus. Die Bewegung des Beines ist dabei deutlicher wahrzunehmen.


Hüftkopf und Hüftpfanne sind von einer glatten Knorpelschicht überzogen. Der große Bewegungsradius des Gelenkes zieht nach sich, dass es stets unterschiedlich stark belastet wird. Entsprechend fallen die Knorpelschichten zwischen den Knochen jeweils dicker oder dünner aus. Das Gelenk selbst ist von einer Gelenkkapsel umgeben. Der Gelenkspalt zwischen den Knochen wird mit einer Art Gelenkschmiere, der Synovia, gleitfähig gehalten. Die Synovia, eine ölige Substanz, wird von der inneren Schicht der Gelenkkapsel ständig neu gebildet.


Knorpel und Gelenkschmiere funktionieren wie Stoßdämpfer und schützen den Knochen vor Abrieb. Die Gelenkkapsel selbst wird von kräftigen Bändern verstärkt. Damit und mit der umliegenden Muskulatur wird das Gelenk in korrekter Position gehalten.
Die Bewegung des Beines ist Ergebnis des Zusammenwirkens von Gelenk, Bändern und Muskeln. Die Muskulatur muss zum einen kräftig genug sein, die geplante Bewegung auszuführen. Andererseits muss die Muskulatur der Gegenrichtung in der Lage sein, langsam in der Spannung nachzulassen, um die gewünschte Bewegungsrichtung zuzulassen. Koordination ist das Schlüsselwort: Für die geplante Bewegung in eine Richtung ist es notwendig, die Muskulatur gerade in dem Maße anzuspannen, wie es eben nötig ist.
 

 Dr. Markus Peyerl im Patientengespräch

Dr. Markus Peyerl im Patientengespräch

 

Coxarthrose - die Arthrose des Hüftgelenks

Als Kugelgelenk bietet das Hüftgelenk sehr große Bewegungsfreiheit. Die Gelenkflächen sind mit einer knorpeligen Gleitschicht überzogen, die wie ein Stoßdämpfer wirkt. Das Gelenk wird über die Gelenkkapsel stabilisiert und ernährt. Hier wird auch die Gelenkflüssigkeit produziert. Die Coxarthrose betrifft rund fünf Prozent der Bevölkerung - bei jedem zweiten 60-Jährigen treten Verschleißerscheinungen im Hüftgelenk auf. Eine häufige Ursache sind spät erkannte oder schlecht korrigierte Fehlstellungen der Hüfte im Säuglingsalter.
 
Irreführend an der Hüftgelenksarthrose ist, dass die Schmerzen an ganz unterschiedlichen Stellen und in verschiedenen Situationen auftreten können:

  • in die Leistengegend ausstrahlend
  • im Oberschenkel und/oder im gesunden Kniegelenk
  • im Gesäß - wie bei Ischiasbeschwerden
  • als zunehmende Belastungsschmerzen
  • als Anlaufschmerzen, die nach kurzer Bewegungszeit nachlassen - ein deutlicher Hinweis auf eine Coxarthrose

 
Charakteristisch für eine Hüftgelenksarthrose sind Schmerzen, die morgens nach dem Aufstehen etwa fünf bis sechs Minuten anhalten. In einem späteren Stadium dauern die Schmerzen vor allem im Leistenbereich und im Oberschenkel auch nachts und im Ruhezustand an. 

Wie kann man Coxarthrose konservativ behandeln?

Als "konservativ" (lateinisch für "bewahrend") bezeichnet man in der Medizin alle Behandlungsformen, bei denen nicht operiert wird. 

Cortisonfreie entzündungshemmende Medikamente (NSAID)

  • Cortison
  • Cortison und verwandte Präparate sind Medikamente mit stark entzündungshemmender Wirkung. Diese Stoffe dämpfen die natürliche Reaktion des Körpers auf einen Entzündungsreiz - beispielsweise einen von einer Arthrose hervorgerufenen chronischen Reizzustand im Gelenk.

 

Hyaluronsäure

Hyaluronsäure (nach neuerer Nomenklatur: Hyaluronan, Abkürzung HA) ist ein Glykosaminoglykan, das einen sehr wichtigen Bestandteil des Bindegewebes darstellt und auch eine Rolle bei der Zellproliferation, Zellmigration und Tumorentstehung spielt.
Funktionen: Hyaluronsäure erfüllt im Körper viele Funktionen, wobei die zahlreichen verschiedenen chemisch-physikalischen Eigenschaften dieser Verbindung ausgenutzt werden.

Glucosamin

Auch ganz normale Bewegung verschleißt Teile der Gelenkknorpel - diese müssen laufend ersetzt werden. Der Körper kann aber aus eigener Kraft nicht genug Knorpelsubstanz produzieren, um eine Arthrose auszugleichen. Daher müssen die notwendigen Nährstoffe in Tablettenform von außen zugeführt werden. Einer dieser Stoffe ist Glucosamin - es regt die Knorpelzellen dazu an, verstärkt Grundsubstanz zu bilden, und sorgt dafür, dass die Knorpelmasse feucht und flexibel bleibt.

Chondroitinsulfat

Chondroitinsulfat ist wie Glucosamin und Hyaluronsäure ein wichtiger Knorpelbestandteil. Es verleiht dem Knorpel die Struktur und ist verantwortlich für seine Fähigkeit, Wasser zu binden und Nährstoffe passieren zu lassen.
Bitte sprechen Sie uns auf die medikamentösen Möglichkeiten zur konservativen Behandlung an.

Bandagen

Physikalische Anwendungen
Die physikalische Therapie sollte man nicht mit der Physiotherapie (Krankengymnastik) verwechseln. Während diese der Aufrechterhaltung der Beweglichkeit und der Stabilisierung der Muskulatur dient, wirken andere physikalische Therapien beispielsweise

  • schmerzlindernd
  • durchblutungsfördernd
  • abschwellend
  • zum Abtransport von Stoffwechselprodukten
  • entstauend

 

Wann ist die Operation einer Coxarthrose sinnvoll?

Eine Operation ist immer dann angeraten, wenn eine Coxarthrose so weit fortgeschritten ist, dass mit konservativen Mitteln allein keine zufrieden stellende Schmerzlinderung und Beweglichkeit des Hüftgelenks zu erreichen ist.
Durch eine Hüftgelenk-Totalendoprothese werden sowohl die Gelenkpfanne im Becken als auch der Hüftkopf am Oberschenkelhals ersetzt.
Die Endoprothese besteht aus Titan, Keramik und Polyäthylen. In einer 60- bis 90-minütigen Operation wird sie genauso befestigt, wie es während der Voruntersuchungen und der Operationsplanung festgelegt wurde.
Nach der Operation ist sofort eine volle Belastung des künstlichen Hüftgelenks möglich. Zur Verbesserung der Gehfähigkeit wird im Anschluss an die Operation eine Krankengymnastik (Physiotherapie) durchgeführt.

Der Einsatz einer Hüftgelenk-Endoprothese bedeutet die Chance zur Rückkehr in ein aktives Leben. Nach wenigen Monaten erlangen Sie die Beweglichkeit zurück, wie sie einer gesunden Hüfte entspricht. Sogar bestimmte Sportarten sind erlaubt.
Den Vorgang des Gelenkersatzes bezeichnet man in der Fachsprache als Alloarthroplastik. Im Falle des Hüftgelenks steht eine Vielzahl an Lösungen zur Verfügung. Wir bevorzugen wegen der besten Haltbarkeit die zementfreie Lösung mit einheilenden Implantaten. Lassen Sie sich beraten.